Sigmar Gabriel reist nach China

von Jana Kötter, 28. April 2014

Der China-Blog ist zurück aus dem Urlaub. Und dabei war ich in der vergangenen Woche nicht die einzige, die gereist ist. Auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist zu seiner ersten Auslandsreise als Vizekanzler aufgebrochen – und zwar nach China.

Das Ziel hätte bezeichnender nicht sein können für einen Wirtschaftsminister. Die Beziehungen zwischen Deutschland und China seien derzeit vorbildlich, betonte Sigmar Gabriel (SPD) während seiner Reise immer wieder. Peking freute sich über den Besuch aus dem Westen – gilt Europa, und ganz besondere Deutschland, doch als wichtiger Handelspartner. Und auch hierzulande weiß man den Handelspartner zu schätzen: Mit noch immer mehr als sieben Prozent Wachstum, 4,2 Billionen US-Dollar Außenhandelsvolumen und einer fast 350 Millionen Menschen großen Mittelschicht, deren Lust auf Konsum nahezu ungebremst wächst, bietet China für deutsche Unternehmen eine riesige Chance: Volkswagen erwirtschaftet schon heute mehr als 50 Prozent seines Nettogewinns im Reich der Mitte.

 

Insgesamt 50 Vertreter der deutschen Wirtschaft sind nun gemeinsam nach China gereist. Vom Tunnelbohrer Herrenknecht, über Siemens und Daimler, bis zum Landmaschinenhersteller Claas waren alle vertreten, auch drei ehemalige Minister waren  dabei: Peter Ramsauer (CSU) fuhr als Chef des Wirtschaftsausschusses mit, Rudolf Scharping (SPD) berät im China-Handel tätige Unternehmen und Michael Glos (CSU) hat inzwischen bei einem Baustoffproduzenten angeheuert.

 

Auf der dreitägigen Reise nach Peking und Shanghai sollte nun möglichst konkret an den Wirtschaftsbeziehungen gearbeitet werden. Die Wirtschaftsvertreter hofften vor allem auf Erleichterungen im oftmals schwierigen China-Geschäft. Sie leiden unter chinesischer Bürokratie und Benachteiligungen gegenüber lokalen Konkurrenten, sagten verschiedene Manager im Vorfeld. Bei öffentlichen Ausschreibungen seien sie nahezu chancenlos. Gabriel hat bei seinen chinesischen Gesprächspartnern deshalb für mehr Fairness geworben: "Unser Ziel muss es sein, dass Deutsche Unternehmen in China die gleichen Voraussetzungen haben wie chinesische", zitiert Focus Online den SPD-Politiker.

 

Ob Gabriels Worte erhört werden, bleibt ungewiss. Zunächst hat Gabriel in China Eindruck hinterlassen, indem er alle Regeln der Kommunikation befolgte und die passenden Höflichkeitsfloskeln im richtigen Moment setzte – "Herzlich willkommen in China", wurde Gabriel laut Spiegel Online begrüßt, woraufhin der Vizekanzler parierte: "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Sie sich Zeit für mich nehmen."

 

Mit solch schönen Worten wurde einmal mehr an den deutsch-chinesischen Beziehungen gefeilt. Dass dabei jedoch auch tatsächlich Verbesserungen für die deutschen Wirtschaftsvertreter herausgekommen sind, gilt derzeit als unwahrscheinlich. Gut also, dass in diesem Jahr noch mehrere Reisen auf der Tagesordnung stehen: Bereits im Herbst will Gabriel erneut nach Asien reisen, außerdem plant auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Gegenbesuch zur Europa-Reise von Präsident Xi Jinping.

 

 

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