Wenn die Fabriken in China stillstehen

von Jana Kötter, 24. Februar 2015

 

Nach dem großen Neujahrsfest kehrt in der Volksrepublik langsam wieder Ruhe ein, einige Kinder verabschieden sich bereits von ihren Familien und reisen zurück in die neue Heimat, die ersten Angestellten kehren zurück an ihre Arbeitsplätze. Die Auswirkungen des berühmten Festes spürt man jedoch auch über die Landesgrenzen hinaus.

 

Noch vor wenigen Jahrzehnten interessierte sich hierzulande kaum jemand für das chinesische Neujahrsfest – ja, womöglich wussten viele Menschen nicht einmal, dass China das neue Jahr nicht nach unserem gregorianischen, sondern nach dem Mondkalender einläutet. Heute jedoch hat die Feierlichkeit im Reich der Mitte und großen Teilen Asiens bedeutende Auswirkungen auf uns. Nicht nur, weil das Interesse an der fremden Kultur gewachsen ist und auch chinesische Gemeinden in Europa das Fest begehen, sondern auch, weil die Feiertage in China Konsequenzen für die Weltwirtschaft haben.

 

Zwar gibt es in der Volksrepublik zum Neujahrsfest nur drei gesetzliche Feiertage, doch nehmen sich die meisten Arbeiter zusätzlich Urlaub, um zu ihren teilweise weit entfernt wohnenden Familien zu fahren. So kommt es, dass zum Neujahrsfest bis zu zwei Wochen lang Baustellen brach liegen, Fabriken geschlossen bleiben und die Produktion in der Volksrepublik und anderen konfuzianisch geprägten Ländern stillsteht.

 

„Das chinesische Neujahrsfest hat auch Auswirkungen auf die Schifffahrt bzw. auf die Nachfrage nach Schiffstransport“, schreibt Conti Schiff & Kapital auf seiner Homepage. „So kann man in der Regel in den Wochen vor dem Neujahrsfest einen leichten Anstieg der Fracht- und Charterraten beobachten. Dieser ist darauf zurückzuführen, dass die Produktion vor den Feiertagen hoch ist bzw. Warenbestellungen vorgezogen werden und das Ladungsaufkommen noch einmal kurzfristig ansteigt. Zum Neujahrsfest fällt das Export-Ladungsaufkommen aus China dann deutlich, was oft mit sinkenden Fracht- und Charterraten einhergeht.“

 

Dies muss natürlich bedacht werden, wenn beispielsweise Waren aus dem Reich der Mitte geordert werden.

 

Gleichzeitig ist eine extreme Steigerung der Ausgaben von Auslandschinesen zu verbuchen, da diese pünktlich zum Neujahrsfest natürlich ihre Familien beschenken wollen. So geben chinesische Bürger in Großbritannien jeden Februar laut des Schweizer Finanz- und Luxuswarenforschungsinstituts Global Blue 1137 US-Dollar für Luxusuhren, Handtaschen und Schmuck aus.

 

Und auch bei einem Blick auf die Reisezahlen schlagen die Chinesen zu Buche: Weil für viele das Frühjahrsfest die Haupturlaubszeit ist, sind nicht nur inländische Züge und Flugzeuge weit im Voraus ausgebucht, sondern auch Reiseziele außerhalb Asiens immer beliebter für einen Trip um diese Jahreszeit.

 

 

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