Wirtschaftswachstum dank Milliarden-Spritzen

von Jana Kötter, 26. Juli 2014

 

Chinas Wirtschaft ist ein komplexes Gebilde: Die Jahre des zweistelligen Wirtschaftswachstums sind vorbei, die Zahlen sind zuletzt extrem gesunken. Nun stabilisiert sich das Wachstum scheinbar bei 7,5 Prozent – aber nur dank milliardenschwerer Geldspritzen der Regierung. Chinas Staatsverschuldung nimmt dabei alarmierende Ausmaße an.

 

Eine gute Nachricht ist zu Beginn der Woche durch die Medien gegangen: Die chinesische Wirtschaft legte im zweiten Quartal um 7,5 Prozent zu. Das war mehr als von Experten erwartet und entspricht exakt dem Ziel fürs gesamte Jahr. Damit schwinden zunächst die Sorgen vor einem Abschwung in der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, der auch auf die globale Konjunktur durchschlagen würde.

 

Experten warnen allerdings vor allzu großer Euphorie, da die Unternehmen den Aufwärtstrend nicht aus eigener Kraft schafften, sondern nur mit Hilfe des Staates. Denn es waren vor allem milliardenschwere Geldspritzen von Regierung und Banken, die den Abwärtstrend der chinesischen Wirtschaft vorerst gebremst haben.

 

Im Kampf gegen eine Abkühlung hatte China zuletzt die Kassen geöffnet: Die Staatsausgaben erhöhten sich allein im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 26,1 Prozent auf 1,65 Billionen Yuan (195 Milliarden Euro). Mit dem Geld wird beispielsweise der Ausbau des Schienennetzes beschleunigt. Mehr Mittel fließen auch in den Wohnungsbau. Gleichzeitig reichten die Banken 1,08 Billionen Yuan (128 Milliarden Euro) an neuen Krediten aus, 20 Prozent mehr als erwartet.

 

Doch dieses „Unter-die-Arme-Greifen“ hat drastische Folgen: Die Verschuldung Chinas ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen: 251 Prozent des BIP, noch 2008 waren es 147 Prozent. Damit liegt China auf einem Niveau mit den westlichen Industrieländern und deutlich über dem Wert anderer Schwellenländer. "China hat sich verschuldet, bevor es reich wurde," zitierte die Financial Times einen Analysten. Dabei gibt vor allem das Tempo Anlass zur Sorge, also der rasche Anstieg der Schulden.

 

Grund für den rapiden Anstieg ist eben die Tatsache, dass Chinas Wirtschaftspolitik an ihre Grenzen stößt – und die Regierung ihre Wirtschaft mit billigen Krediten und staatlich verordneten Bauprojekten dopt. Sie versucht so das Wachstum hoch zu halten (was, wie die jüngsten Zahlen ja zeigen, auch durchaus klappt). Wie lange Pekings wirtschaftspolitischer Kurs noch gut geht, ist jedoch fraglich. Viele andere Staaten durchlitten nach derartig steilem Schuldenwachstum eine Wirtschaftskrise.

 

Chinas Staatsführung will die Wirtschaftsstruktur mittel- bis langfristig verändern und nimmt dafür kurzfristig Rückschläge in Kauf - solange genügend Jobs geschaffen werden. Sie will vor allem den Konsum stärken, um unabhängiger von ausländischen Investitionen und Exporten zu werden. Die Regierung in Peking rechnet offiziell mit Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr um mindestens 7,5 Prozent. Das ist auch notwendig, um die Heerscharen der Wanderarbeiter mit Jobs zu versorgen und so soziale Unruhen zu vermeiden. Folglich muss China das Wirtschaftswachstum womöglich auch durch Geldspritzen hochhalten, um das soziale Gefüge stabil zu halten.

 

Nach Einschätzung von Volkswirten könnte sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren aber erheblich verlangsamen. 2015 dürfte das BIP demnach noch um etwa sechs Prozent und danach nur um rund fünf Prozent zulegen.

 

 

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