Ein feinfühliger Mondbesucher

von Jana Kötter, 28. Februar 2014

Es ist ein Name, der poetischer kaum klingen könnte: "Yutu", zu Deutsch "Jadehase". Seit 8000 Jahren ist Jade in China in Gebrauch, der Stein hat über die Jahrtausende eine beachtliche Stellung gewonnen. Sogar einer der großen mythischen Kulturheroen trägt den Titel Jadekaiser; der Schmuckstein spielt in Dichtung und Philosophie eine nicht unwesentliche Rolle.


Dabei hat der „Jadehase“ keinesfalls einen philosophischen oder poetischen Auftrag. Vielmehr soll das im Dezember vergangenes Jahres gelandete Mondfahrzeug Chinas ambitioniertes Raumfahrprogramm voranbringen. China ist erst das dritte Land nach der USA und der Sowjetunion, das eine sanfte Landung auf dem Mond absolviert hat. Der unbemannte Mondrover "Yutu" war das erste Fahrzeug seit fast 40 Jahren, das so den Erdtrabanten erreicht hat. Europa hatte eine Landemission auf dem Mond aus Kostengründen abgesagt.


Doch derzeit kränkelt der Hase. Das chinesische Mondfahrzeug hat noch immer technische Schwierigkeiten, laut Nachrichtenagentur Xinhua suchen Wissenschaftler noch immer nach den Hintergründen. Sie befürchten, dass die extreme Kälte, die unter minus 180 Grad Celsius fallen kann, dem „Jadehasen“ zugesetzt haben könnte.


Die technischen Probleme waren bereits aufgetreten, bevor der „Jadehase“ Ende Januar für seine zweite Mondnacht vorübergehend stillgelegt worden war. Dabei gab es wohl Probleme, eine schützende Solarpaneele auszufahren, die den Mondrover ursprünglich hätte vor der extremen Kälte schützen sollen. Später wurde das Fahrzeug als verloren gemeldet, erwachte aber nach Angaben eines Sprechers des Mondprogramms Mitte Februar wieder.


In diesen Tagen befindet sich der „Jadehase“ in seiner dritten Schlafphase. Wie es mit ihm und seinen Instrumenten weitergeht, wird sich wohl bald zeigen. Im chinesischen Horoskop gilt der Hase übrigens als sanfter Lebenskünstler, als feinfühliges und kultiviertes Wesen, das ein ruhiges und friedliches Leben genießen möchte. Mit seinem Hang zur Schönheit, zu Anmut und Harmonie gilt er auch als äußerst kontaktfreudig – die Wissenschaftler dürfen also noch auf ein Zeichen hoffen.


Und falls es dem feinfühligen Hasen doch zu kalt war: Zu Chinas Mondmission "Chang'e-3" gehört neben „Yutu“ auch ein deutlich größerer Lander. Dieser hat ein Radionuklid-Heizelement an Bord, das vor der Kälte schützen soll. Er hat sich bisher planmäßig aus der Mondnacht zurückgemeldet.

 

 

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