«Reis-Theorie» erklärt kulturelle Unterschiede

von Jana Kötter / mit Informationen der dpa, 9. Mai 2014


Haben Deine Urgroßeltern Reis oder Weizen angebaut? Nein, keine Scherzfrage, sondern womöglich eine aufschlussreiche Information. Denn was unsere Vorfahren angebaut haben, könnte dazu beitragen, wie individuell oder kollektivistisch wir veranlagt sind, sagt eine neue Studie.

Die Reiszucht ist ein aufwendiges Unterfangen. Es wird viel Wasser benötigt, die Arbeit im Hochland verlangt dem Körper einiges ab. Da ist Teamwork gefragt – und das könnte nicht nur die Arbeiter selber, sondern auch ihre Nachfahren beeinflussen, meint eine neue Studie. Demnach sollen die verschiedenen Methoden beim Anbau von Reis und Weizen, wo eben kein gemeinschaftliches Vorgehen nötig ist und die Bauern unabhängiger voneinander arbeiten können, mit zu den Unterschieden zwischen östlicher und westlicher Kultur geführt haben. Die sogenannte «Reis-Theorie» stellen die Forscher aus China und den USA im US-Fachjournal «Science» dar.

In Umfragen stellten die Forscher klare Zusammenhänge zwischen Kollektivismus oder Individualismus und der jeweiligen Bepflanzung der Felder mit Reis oder Weizen fest. «Die Idee ist, dass Reis wirtschaftliche Anreize zur Kooperation gibt und solche Kulturen über viele Generationen stärker ineinandergreifend sind, während Gesellschaften, in denen jeder einzelne weniger vom anderen abhängig ist, mehr Freiheit für Individualismus haben», wird der führende Wissenschaftler Thomas Talhelm zitiert, der vier Jahre in China gelebt hat.

Die Studie erweitert damit die Bewirtschaftungstheorie, die bisher nur zwischen Hirten und Getreidebauern unterscheidet. Um historische, politische und kulturelle Unterschiede auszuklammern, wurde allein in China geforscht, wo im Süden Reis und im Norden Weizen angepflanzt wird und sich Nord- und Südchinesen in ihrem Verhalten unterscheiden. An sechs Orten wurden 1162 Han-Chinesen auf Individualismus, Analysefähigkeit und Gemeinschaftssinn getestet.

«Das Reis anbauende südliche China ist mehr voneinander abhängig und denkt ganzheitlicher als der Weizen züchtende Norden», schreiben die Wissenschaftler der Universitäten von Virginia und Michigan sowie der Beijing University und der South China University in Guangzhou. Die Differenzen zwischen Nord- und Südchina spiegelten sich auch zwischen anderen östlichen und westlichen Kulturen wider.

 

 

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