Bertolt Brecht: "Der gute Mensch von Sezuan"

Rezension von Jana Kötter

Kann ein Mensch dem Leben trotzen – und doch gut sein? Dieser Frage geht Bertolt Brecht in seinem Parabelstück „Der gute Mensch von Sezuan“ auf den Grund. Der von 1938 bis 1940 im Exil verfasste Klassiker gilt als das wohl geschlossenste Stück Brechts – und spielt dabei vor exotischer Kulisse im Reich der Mitte.

 

Drei Götter durchwandern hier, in der chinesischen Provinz Sezuan (Sichuan), die Welt auf der Suche nach einem guten Menschen. Sie wollen das Gerücht Lügen strafen, wonach die wirtschaftlichen Bedingungen auf der Erde zu unerträglich seien, als dass die Menschen die Gebote der Götter zu befolgen vermöchten.

 

„Es steht nicht zum Besten mit unserer Suche“, sagt der dritte Gott jedoch. „Wir finden hier und da gute Anläufe, erfreuliche Vorsätze, viele hohe Prinzipien, aber das alles macht ja kaum einen guten Menschen aus. Wenn wir halbwegs gute Menschen treffen, leben sie nicht menschenwürdig.“

 

In Shen Te meinen die Götter schließlich jedoch, genau diesen Beweis gefunden zu haben. „Sie tut soviel Wohltaten, wie sie kann“, lobt der Wasserverkäufer Wang die junge Frau. „Sie hat ein freundliches Wort für jeden. (…) Selten geht einer aus ihrem Laden ohne Tabak, nur weil er kein Geld hat. (…) Eine achtköpfige Familie hat sie bei sich beherbergt!“

 

Doch auch Shen Te muss gegen die Herausforderungen des Alltags antreten. Eine falsche Liebe tut dabei ihr übriges – und führt letztlich dazu, dass Brecht am Einzelfall des Mädchens das allgemeine Gesetz dieser Welt aufzeigt, dass es unmöglich ist, „gut zu sein und doch zu leben“.

 

Der Klassiker von Bertolt Brecht ist, gerade weil er eine solch fortwährend aktuelle Fragestellung in den Vordergrund rückt, durchaus lesenswert. Allerdings sollte sich der China-Fan vom Titel nicht täuschen lassen: Dass „Der gute Mensch von Sezuan“ ausdrücklich als Parabel verfasst wurde, bedeutet, dass Sezuan stellvertretend für alle Orte steht, an denen Menschen von Menschen ausgebeutet werden. Das macht Brecht selber in einer Vorbemerkung deutlich.

 

Das Stück eröffnet also auf einer Hauptstraße in Sezuan, und all die Protagonisten tragen chinesische Namen – nichtsdestotrotz könnte die Parabel Brechts in jedem anderen Land der Welt spielen.

 

Bertolt Brecht: „Der gute Mensch von Sezuan“, Edition Suhrkamp, 6,00 Euro.

 

 

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