Xiaolu Guo: "Stadt der Steine"

Rezension von Jana Kötter

 

Alles beginnt mit diesem Aal. Getrocknet, gesalzen, 85 Zentimeter lang, fleischig: So kommt er eines Tages in einem anonymen Päckchen bei der jungen Chinesin Coral an. In ihrem Heimatdorf an der ostchinesischen Küste, einem kleinen Fischerdorf mit gewaltigen Stürmen und wortkargen Menschen, ist solch ein Aal Tradition. Und so bricht mit dem Eintreffen dieses Päckchens plötzlich die Vergangenheit über der jungen Frau aus Peking herein.

 

„Ich war sieben, als es passierte. (..) In dem Jahr, als ich sieben war, ist so viel passiert, dass ich dieses Jahr und alles, was danach kam, wohl niemals vergessen werde.“

 

Ihr Freund Red, mit dem die 28-Jährige in einer winzigen Wohnung in Chinas Hauptstadt lebt, weiß von den dunklen Geheimnissen ihrer Kindheit nichts. Und vielleicht ist das der Grund, weshalb die beiden einfach nicht sesshaft werden können, wie es die chinesische Gesellschaft doch eigentlich von ihnen erwarten würde…

 

Coral begreift, dass sie noch einmal in das Dorf zurückkehren muss, um die Wunden der Vergangenheit zu heilen und ihr eigenes Leben endlich beginnen zu können.

 

Anne Rademacher hat Xiaolu Guos Werk „Stadt der Steine“ ins Deutsche übersetzt – und damit eine der interessantesten Autorinnen der jüngeren chinesischen Generation einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht. Zum Glück! Denn Xiaolu Guo schafft es in ihrem Roman, mit einer unheimlichen Intensität zwischen den Kindheitserinnerungen der Vergangenheit und dem „deprimierenden“ Pekinger Alltag des Jetzt, zwischen dem traditionellen China und den Ansichten einer jungen Chinesin zu springen.

 

Ebenso sprunghaft ist auch ihre Sprache: mal poetisch-zart, mal erschreckend-direkt. Mit diesem Mix fesselt Xiaolu Guo den Leser auf berührende Art und Weise und nimmt ihn mit auf die Suche in der Vergangenheit – sich darauf einzulassen, ist absolut zu empfehlen!

 

Guo, Xiaolu: "Stadt der Steine", Albrecht Knaus Verlag, 8,00 Euro, ISBN 978-3813502534

 

 

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