Sonja Piontek: "China, die türkise Couch und ich. Kurioses aus dem Reich der Mitte"

Rezension von Jana Kötter

 

Drei Jahre lang hat Sonja Piontek in China gelebt - eine lange Zeit, in der ein "Laowei" mehr erlebt als "nur" die typischen Anfängerfehler. Und so erzählt die 1976 Geborene in ihrem Buch "China, die türkise Couch und ich" unterhaltsam und kurzweilig von ihren Erfahrungen im chinesischen Alltag.

 

Die Erzählungen sind dabei auch für den China-Fortgeschrittenen oder gar den China-Profi noch eine Bereicherung. Denn die chinesische Führerscheinprüfung, das Einstellen einer Ayi, einer chinesischen Haushälterin, oder auch verschiedene Arztbesuche sind Erfahrungen, die nicht jeder macht.

 

Plus: "Die chinesische Sicht", die sich an einige der insgesamt 24 Episoden anschließt, lässt chinesische Freunde und Bekannte zu Wort kommen und bietet damit eine interessante Ergänzung zu Pionteks Erfahrungsberichten.

Diese Abwechslung ist umso erfrischender, als Piontek zumindest in Abschnitten leider dazu neigt, Klischees zu bedienen und zu verallgemeinern - was beim Aufzeichnen solch persönlicher Erfahrungen schnell passieren kann. Trotzdem: Formulierungen wie "Die Chinesen..." oder "China ist..." sind angesichts der schier unglaublichen Einwohnerzahl und Größe des Landes zu undifferenziert.

 

"Wir Deutsche haben oft eine recht fixe Vorstellung vom richtigen Weg und schreiten geradlinig, zielstrebig und systematisch auf unser Ziel zu. Die Chinesen hingegen bewegen sich weit weniger linear, sie schlendern und Schleifen, das Ziel scheinbar gar nicht im (direkten) Visier."  Solche Beschreibungen sind doch stark vereinfachendend. Und gerade mit einem Blick auf zahlreiche junge Studenten, die sehr viel zielstrebiger lernen als hierzulande (weil sie es müssen!), kommt die Frage auf: Kann man so tatsächlich von "den Chinesen" sprechen? (Oder von "den Deutschen"?)

 

So stoßen auch Sätze wie "In China schnallt man sich grundsätzlich nicht an" dem aufmerksamen Leser auf. Zumal gerade hier der Zahn der Zeit deutlich wird: So war ich bei meinem letzten Besuch sehr verwundert, wie sich - gerade bei den Fahrern der neuen Mittelklasse-Wagen - der Griff zum Gurt wie selbstverständlich eingebürgert hat. Und im Fernbus ist jüngst sogar eine Dame vor der Abfahrt durch die Reihen gelaufen, um sicherzugehen, dass wirklich jeder den Gurt angelegt hatte!

 

Doch vermutlich ist es gerade die Schnelllebigkeit des Landes, die man Autoren wie Sonja Piontek zugutehalten muss. Dass es in Peking mittlerweile mehr als zwei internationale Krankenhäuser gibt oder die Preise eben nicht mehr durch einfaches Dividieren durch 10 umgerechnet werden können, hat sich seit 2009 geändert.

 

Die Bilder, die lustige Beispiele des weit verbreiteten "Chinglish", also der von Fehlern gespickten Übersetzung von chinesischen Schildern ins Englische, präsentieren, kommen zunächst unerwartet, bieten dann jedoch eine höchst unterhaltsame Einschub in die kurzweiligen Episoden.

 

Überhaupt sind die Texte von den verschiedensten Fotografien gespickt, die das Erzählte bildlich untermalen - zum Teil so kurios und schön, dass es schade ist, dass diese nicht auf gesonderten Farbseiten erschienen sind.

 

Piontek, Sonja: "China, die türkise Couch und ich. Kurioses aus dem Reich der Mitte", Conbook Verlag, 12,95 Euro, ISBN 978-3934918412.

 

 

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