Schwarz, Jo: "Der Chinese an sich und im Allgemeinen: Alltagssinologie"

Rezension von Jana Kötter

 

"Alltagssinologie" - schon der Titel des Buches macht deutlich, was der gelernte Journalist und China-Experte Jo Schwarz mit seinem Buch "Der Chinese an sich und im Allgemeinen" will. Und wie genial dieses Ziel ist. Denn sinologische, also wissenschaftliche Werke, über Chinas Kultur gibt es heutzutage zu Genüge. Das weiß ich selber aus dem Studium. Was Deutschland im Zuge der immer stärker werdenden wirtschaftlichen Beziehungen, aber auch für eine Völkerverständigung im Allgemeinen braucht, sind Werke, die uns die asiatische Kultur ganz verständlich, amüsant und vor allem auf Augenhöhe nahebringen.

 

Jo Schwarz will "die trockene historische 'Chinakunde' mit den heute in China anzutreffenden Ansichten und Denkweisen des 'Alltagschinesen' und der 'Alltagschinesin' verknüpfen". Und schreibt so über die Teekultur und das Aufkommen von Starbucks, Liebe im Reich der Mitte, Chinas Müllproblem - und was Konfuzius damit zu tun hat.

 

Der Autor kennt China besser als andere ihre Heimat. "Ich habe China bereist. Alleine und in Begleitung. Mit dem Auto, dem Zug und dem Flugzeug", schreibt er im Vorwort. Allein mit dem Auto habe er insgesamt mehr als 25.000 Kilometer im Reich der Mitte zurückgelegt - und diese Erfahrung wird in seinen Texten deutlich.

 

Hier und da schleicht sich, das fällt dem wissenschaftlichen Sinologen schnell auf, ein kleiner Fehler ein - beispielsweise gleich zu Beginn bei der Erklärung der verschiedenen Aussprachen anhand des Wortes "ma". Denn "Mutter" trägt natürlich den ersten Ton, nicht den fünften tonlosen (der in der großen Übersicht leider überhaupt nicht erwähnt ist).

Nichtsdestotrotz: Dem "Alltagssinologen" jedoch schaden diese kleinen Unachtsamkeiten nicht. Er lernt die wichtigsten Begriffe in Schriftzeichen und Pinyin. Dass die Begriffe jeweils in Klammern hinter Schlüsselwörtern angegeben sind, ist nicht nur interessant, sondern erfüllt einen wahren Lehrauftrag.

 

Die insgesamt 27 Kapitel sind kurzweilig geschrieben, leicht zu lesen - und vor allem durchaus amüsant! Ohne nur allgemeine Plattitüden wiederzugeben, dafür mit einer gehörigen Portion Hintergrundwissen, räumt Schwarz mit dem ein oder anderen Vorurteil auf - oder zeigt, dass eben doch etwas Wahres daran ist.

 

Das Schönste aber ist, dass auch China-Profis noch allerhand lernen können.

 

Eine absolut empfehlenswerte Lektüre also für alle, die einen Aufenthalt im Reich der Mitte planen, die interessante Kultur mit offenen Augen erkunden wollen, die eigenen Erfahrungen noch einmal überdenken wollen - kurzum: alle China-Interessierten. Sie können von Jo Schwarz noch einiges lernen. Mit ein wenig wissenschaftlichem Hintergrund, aber vor allem für einen Zweck: Für den gemeinsamen Alltag.

 

 

Jo Schwarz: "Der Chinese an sich und im Allgemeinen: Alltagssinologie", Conbook Verlag, 9,95 Euro, ISBN 978-3943176902

 

 

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